Hunde in der Forschung: Medizinischer Fortschritt funktioniert nur ohne Tierversuche

Kaum ein Haustier erfreut sich einer größeren Beliebtheit wie der Hund. Den meisten Hundehaltern liegt das Wohlergehen ihrer vierbeinigen Wegbegleiter am Herzen und die Hunde genießen oft den Stellenwert wie ein Familienmitglied. Dabei ist es den wenigsten Hundebesitzern bewusst, dass es nicht allen Tieren so gut geht, sondern dass viele der treuen Vierbeiner in Tierversuchen entsetzlich leiden müssen.

In Deutschland wurden laut aktueller Statistik im Jahr 2008 2,7 Millionen Tiere für unsinnige Versuche verwendet. Meist sind es Mäuse, Ratten, Kaninchen oder Fische, die ein Schicksal als Versuchs»objekt« erleiden. Aber auch Katzen oder Hunde werden für zahlreiche Fragestellungen herangezogen. In Deutschland waren es 2008 4.450 Hunde.

Die beliebtesten »Versuchs«hunde sind Beagles und Foxhounds, die als besonders gutmütig gelten. Aber auch Mischlingshunde müssen für unvorstellbare Experimente leiden und sterben. In speziellen Zuchteinrichtungen werden Sie gezüchtet und können je nach Bedarf wie Katalogware bestellt werden. Das Schicksal der Tiere beginnt also bereits lange vor dem Versuch. Denn die Hunde und all die anderen Tiere, die nur geboren werden, um im Labor zu sterben, haben nie ein liebevolles Zuhause, sondern Fristen von vornherein ein trauriges Dasein in Zwingern oder sterilen Käfigen.

Hunde und andere Tiere werden weltweit standardmäßig in zum Teil gesetzlich vorgeschriebenen Giftigkeitsprüfungen eingesetzt. Chemikalien sollen dadurch angeblich für den Menschen sicher gemacht werden. In Wirklichkeit geht es um die rechtliche Absicherung der Firmen, falls Menschen zu Schaden kommen - man kann sich dann auf die durchgeführten Tierversuche berufen.

So wird einer europaweit gültigen Vorschrift entsprechend an Hunden, meist an Beagles, untersucht, ob und wie giftig es ist, bestimmte Substanzen wiederholt zu verschlucken. Über 90 Tage hinweg bekommen die Tiere sieben Mal pro Woche eine Chemikalie per Magensonde oder über das Futter verabreicht. Allein das tägliche Einführen der Sonde in den Magen ist für die unbetäubten Tiere schon eine Qual. Jeder, der schon einmal eine Magenspiegelung mitgemacht hat, weiß wie unangenehm das ist. Die Hunde werden in Gruppen eingeteilt und erhalten die Testsubstanz in unterschiedlichen Dosierungen. Je nach Art und Dosierung der Substanz kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen wie Durchfall, Erbrechen, Fieber, Apathie, Krämpfe oder Lähmungen. Am Ende werden die Hunde getötet und einer Autopsie unterzogen.

In der Grundlagenforschung werden ebenfalls eine Reihe grausamer und unsinniger Tierversuche durchgeführt. Hier geht es per se nur um den Wunsch eines Forschers, sein Wissen zu erweitern, nicht aber darum, klinisch anwendbare Ergebnisse zu erzielen. Beispielsweise wird Hunden eine Schlinge um ein Herzkranzgefäß einoperiert, die von außen bedient werden kann. Nach der Operation wird am unbetäubten Tier durch Zuziehen der Schlinge künstlich ein Herzinfarkt simuliert, wobei der Hund die gleichen Qualen erleidet wie ein Mensch. Doch beim Menschen hat ein Herzinfarkt vollkommen andere Ursachen. In der Orthopädie werden an Hunden Methoden zur Knochenverlängerung erprobt oder in der Zahnmedizin die mikrobiologische Auswirkung von verschiedenen Zahnkronen untersucht. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Der Nutzen für den Menschen ist gleich Null, da Körperbau und Funktionen bei Mensch und Hund unterschiedlich sind. Darüber hinaus werden Einflussfaktoren wie Stress, ungesunde Ernährung oder Sucht (Rauchen, Alkohol), die maßgeblich für die Entstehung von Krankheiten beim Menschen verantwortlich sind, nicht berücksichtigt.

Jeder Hundehalter kann sicher bestätigen, dass sein Vierbeiner einzigartige Charaktereigenschaften hat und vergleichbar uns Menschen Freude, Angst und Schmerz empfinden kann. Schon deshalb ist es nicht zu akzeptieren, Hunde oder andere Tiere zu Versuchszwecken zu verwenden. Auch aus medizinischer und wissenschaftlicher Sicht sollten Tierversuche auf schnellstem Weg abgeschafft werden. Denn durch falsche Forschungsmethoden kommen nicht nur die Tiere zu Schaden, sondern auch der Mensch. Immer wieder werden Menschen Opfer von Arzneimittelkatastrophen. Häufig tragen sie schwere Schäden von sich, teils mit Todesfolge. Aufgrund von Tierversuchen werden die Arzneimittel fälschlicherweise für sicher gehalten. Beispiele sind das Schlafmittel Contergan, der Blutfettsenker Lipobay oder das Herzmittel Trasylol, die allesamt ausführlich an verschiedenen Tierarten getestet wurden.

Doch Tierversuche müssen nicht sein. Längst gibt es eine große Bandbreite an tierleidfreien Forschungsmethoden. Hierzu zählen unter anderem Computersimulationen, Forschung an menschlichen Zellkulturen oder hochmoderne Technologien wie Biochips, die wie ein Mini-Labor funktionieren, in dem sich zahlreiche biologische und biochemische Nachweise durchführen lassen. Die gezielte vergleichende Untersuchung kranker und gesunder Menschen liefert wertvolle Erkenntnisse über die Krankheitsentstehung, die zur Ursachenbekämpfung und Entwicklung von Behandlungsmethoden verhelfen können. Solche Forschungsmethoden bringen - im Gegensatz zum Tierversuch - wirklich relevante und auf den Menschen anwendbare Ergebnisse.

Diesem erfreulichen Trend kann jeder einzelne Bürger effektiv Vorschub leisten, indem er auf nationaler oder EU-Ebene die Politiker auffordert, die tierversuchsfreie Forschung zugunsten von Tier und Mensch mit höchster Priorität zu fördern. Auch ist es wichtig, die Mitmenschen über das Thema Tierversuche und die viel besseren Möglichkeiten der Forschung ohne Tiere zu informieren und mit Familie und Freunden zu diskutieren. Damit kann jeder einfach und wirkungsvoll dazu beitragen, der Politik und den Tierexperimentatoren die rote Karte zu zeigen, eine gute Medizin für den Menschen einzufordern und darüber hinaus Hunde und andere Tiere vor einem unnötigen Schicksal zu bewahren.


Dipl. Biol. Silke Bitz
 
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