Klonfleisch: Immenses Tierleid und unvorhersehbare Risiken für Menschen Die Debatte über die Erzeugung von Klonfleisch ist derzeit politisch aktuell. Die EU-Agrarminister sprachen sich im Rahmen der Überarbeitung der Novel Food-Verordnung für eine Zulassung aus. Das EU-Parlament hingegen stimmte Anfang Mai 2010 gegen das Klonen von Tieren zu Nahrungszwecken sowie die Vermarktung von Klonfleisch. Über das mit dem Klonen verbundene Tierleid, ökologische sowie gesundheitliche Aspekte spricht kaum jemand. Mögliche Verbrauchergefahren werden heruntergespielt, ethische Konflikte und Risiken, die von Klonfleisch und genveränderten Lebewesen ausgehen, zu wenig beachtet. Was in den 80er und 90er Jahren im Buchladen noch im Regal mit der Aufschrift »Science Fiction« stand, ist heute bereits in Teilen erschreckende Realität. In Aldous Huxleys Roman »Schöne neue Welt« aus dem Jahr 1932 bestand die Gesellschaft aus genetisch identischen Menschen, genauer gesagt aus unterschiedlich entwickelten Klonen. In der Tierwelt ist diese Fiktion längst zur Realität geworden. Sie nahm ihren Anfang mit dem Klonschaf Dolly im Jahr 1996, gefolgt von Maus, Rind, Ziege, Katze, Hund, Affe und anderen Tierarten. Die Produktion von Lebensmitteln mit genveränderten pflanzlichen Inhaltsstoffen ist bereits in vollem Gange. Eine Kennzeichnungspflicht besteht in Deutschland noch nicht. Es ist also möglich, dass wir gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen und essen, ohne es zu wissen. Die Zulassung von Nahrungsmitteln, die ihren Ursprung in genveränderten Tieren haben, wird derzeit diskutiert und von der EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) zum Verzehr als unbedenklich eingestuft - ohne dass man hierzu Erfahrungswerte hätte. Fleisch und Milch geklonter Tiere könnte also bald in den Supermarktregalen stehen, ungeachtet der gesundheitlichen Gefahren für den Verbraucher und des immensen Tierleids. Die EFSA stellte fest, dass das Klonen von Rindern und Schweinen zu großen Tierschutz- und Tiergesundheitsproblemen führt. Die »Erfolgsrate« beim Klonen ist sehr gering. Von 3.400 Versuchen Rinder zu klonen, resultierten nur neun Prozent in der Geburt eines Kalbes. Zahlreiche Kälber starben innerhalb weniger Stunden nach der Geburt. Bei Schweinen zeigte sich, dass von 40 lebend geborenen Ferkeln 27 erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen hatten, unter anderem Durchfall, Herzfehler oder Hirnhautentzündungen, und kurz nach der Geburt starben. Das Europäische Parlament nahm immerhin eine verantwortungsvolle Position ein. Es verlangte im September 2008 in einer Resolution, die an den Rat und an die Kommission gerichtet ist, das Klonen von Tieren für die Lebensmittelversorgung sowie die Zucht von Klontieren und ihren Nachkommen zu verbieten. Diese Entscheidung wurde im Mai 2010 erneut bestätigt. Dennoch boomt das Spiel mit den Genen und es ist in Mode gekommen, die unterschiedlichsten Manipulationen am Erbgut von Mikroorganismen, Pflanzen, aber auch Tieren vorzunehmen und sogar so genannte transgene Tiere herzustellen. Ziel ist die Produktion von tierischen »Modellen« für die Grundlagenforschung oder von »Hochleistungsmaschinen« in der Landwirtschaft, wie sie durch reine Zucht nicht erreicht werden können. Natürlich vorkommende Klone sind beispielsweise beim Menschen eineiige Zwillinge und in der Pflanzenwelt alle Zwiebelpflanzen, die Tochterzwiebeln bilden. Bei Kulturpflanzen sind Klone durch ungeschlechtliche Vermehrung gewonnene Abkömmlinge wie beispielsweise Stecklinge. Das künstliche Prinzip des Klonens bei Tieren beruht nun auf der gezielten Herstellung genetisch identischer Lebewesen im Labor, wie sie von Natur aus nie entstehen können. Da man ein erwachsenes Tier, das die vom Menschen gewünschten Eigenschaften enthält, nicht einfach kopieren oder durch Zucht erhalten kann, werden Zellen von dem zu klonenden Tier mit Zellen eines Empfängertieres zusammengebracht. Hierzu wird in eine fremde Eizelle eines »Spender«tieres, deren Zellkern entfernt wurde, der Kern einer Zelle aus dem Wunschtier eingepflanzt. Durch eine chemische Substanz oder einen Stromstoß wird die Eizelle angeregt, in ihrem Entwicklungsprogramm fortzufahren. Die neu konstruierte Eizelle wird dann von einem Leihmuttertier ausgetragen, wie im Falle Dolly. Die »Erfolgs«quote ist allerdings gering. Ein Großteil der so produzierten Embryonen stirbt frühzeitig ab. Klontiere, die geboren werden, haben meist nur eine geringe Lebenserwartung, da sie krankheitsanfällig sind oder mit Missbildungen zur Welt kommen. Doch das Tierleid beginnt schon viel früher, denn auch die »Spender«tiere werden einem Eingriff im Labor unterzogen. Die Zahl der für die Erzeugung eines einzigen Klons benötigten Tiere ist immens und nur weniger als zehn Prozent der Embryonen überleben. Zudem werden Tiere erzeugt, die nicht die gewünschten Eigenschaften besitzen und daher keine Verwendung finden. Derartige Experimente sind überdies mit erheblichen Schmerzen und Schäden für sowohl Klon- als auch Spendertiere verbunden. Durch Klonen beeinflusst der Mensch die genetische Identität eines Individuums nach für ihn zweckdienlichen Kriterien. Die ökologischen Auswirkungen der Freisetzung genetisch veränderter Lebewesen sind nicht abschätzbar. Die genmanipulierten Tiere könnten sich mit »normalen« Tieren verpaaren, die Folge wäre eine unkontrollierte Durchmischung von natürlichem und künstlichem Erbmaterial mit unbekanntem Risiko. Künstlich hergestellte Tiere können krankheitsanfälliger sein und Krankheiten auf andere Lebewesen übertragen. Ferner besteht die Gefahr, dass heimische Arten verdrängt werden, was einen Verlust an Artenvielfalt in unserem ohnehin schon stark gefährdeten Ökosystem bedeutet. Die heute verfügbaren technischen Möglichkeiten setzen der Phantasie, dem Ausleben der Forscherneugier und der Erschaffung einer gar nicht schönen neuen Welt keine Grenzen. Solange gentechnisch veränderte Lebensmittel noch nicht einmal gekennzeichnet sein müssen und man diese Produkte somit nicht boykottieren kann, ist es für uns Verbraucher schwer, den Erzeugern die rote Karte zu zeigen. Die überarbeitete Novel Food-Verordnung, die u.a. die Vermarktung von Klonfleisch regeln soll, geht derweil weiter ihren Gang durch die Gremien der EU. Die Abstimmung im Plenum des Parlaments wird für Juli 2010 erwartet, danach muss der Entwurf erneut EU-Kommission und Rat passieren.
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