Leuchtende Tiere als Lebensretter?

Als Erleuchtung kann man die Aktivitäten eines Forscherteams aus Amerika und Südkorea, denen es im Labor »gelungen« ist, Hunde genetisch so zu manipulieren, dass sie leuchten, weder aus ethischer, noch medizinischer Sicht bezeichnen. Als Versuchs»objekt« wurden Beagle verwendet, die als gutmütige »Labor«hunde bekannt und beliebt sind. Den Hunden wurde ein Leuchtgen von Seeanemonen eingepflanzt. Um das gewünschte Leuchtgen der Seeanemone in das Erbgut des Hundes einzuschleusen, wird ein Retrovirus als Transportmittel benutzt. Viren besitzen die Eigenschaft, ihr Erbgut in das einer Wirtszelle zu schleusen, was sie in manchen Fällen so gefährlich und schwer bekämpfbar macht. Die schädlichen Gene des Virus werden lahmgelegt, um dann das Leuchtgen einzubauen und das Konstrukt in Bindegewebszellen von Hunden einzubringen. Diese Zellen werden wiederum in Eizellen übertragen und Leihmüttern eingepflanzt.

Wie sollte es anders sein, werden diese leuchtenden Hunde als Errungenschaft für die Medizin gefeiert, denn sie könnten nach Aussage der Experimentatoren möglicherweise kranken Menschen helfen. Ob und wie das jemals der Fall sein sollte, wissen die Forscher selbst nicht und praktischerweise müssen sie sich nie für ihre medizinischen Misserfolge oder vollmundigen Versprechungen rechtfertigen. Denn niemand fragt nach, auch die Behörden und Politik nicht. Diese begnügen sich damit, großzügig Steuergelder für solch abstruse Projekte freizugeben.

Ähnlich abwegiges wurde im letzten Jahr ebenfalls aus Südkorea berichtet. Dort wurden zwei Katzen geklont, von denen eine unter ultravioletter Strahlung grün leuchtet, die andere rot, da ihnen ein Gen eingepflanzt wurde, das bei Tintenfischen und manchen Quallen vorkommt und für die Erzeugung eines fluoreszierenden Proteins verantwortlich ist. Eine dritte im Reagenzglas erzeugte Katze hat das Licht der Welt (glücklicherweise) nie erblickt.

Der Modezweig der Wissenschaft, Leuchttiere zu erschaffen, boomt bereits seit mehreren Jahren. Meist machen sich die Experimentatoren das grün fluoreszierenden Protein (GFP) zu Nutze. Seither wurden die unterschiedlichsten Leuchtorganismen künstlich hergestellt. Die ersten transgenen »Leuchtmäuse« wurden 1995 geschaffen. 1998 wurde der Primat »Andi« mit dem fluoreszierenden GFP versehen.

Beim grün fluoreszierenden Protein handelt es sich um ein Protein, das aus der Quallenart Aequorea victoria gewonnen wird und das unter blauem oder ultraviolettem Licht grün leuchtet. Dieses Protein lässt sich mit anderen Proteinen fusionieren, eine Eigenschaft, die man sich unter anderem in der Zellbiologie zu Nutze macht. Es werden bestimmte Moleküle mit Hilfe des Leuchtproteins markiert, um so den Weg im Körper zu verfolgen bzw. deren Rolle im Stoffwechsel verstehen zu können.

Mittels gentechnischer Verfahren werden so neue Lebewesen erschaffen, die die Eigenschaft der Fluoreszenz besitzen. Oft werden unter der pauschalen Prämisse, damit zum medizinischen Fortschritt beizutragen, die abwegigsten Projekte durchgeführt, die nicht nur für die »Leuchttiere« mit großem Leid verbunden sind, sondern auch für die im Rahmen der »Herstellung« verwendeten Tiere. Zum einen fallen die Quallen oder andere Tiere ihrer Leuchteigenschaft zum Opfer, zum anderen ist die Erzeugung transgener Tiere mit einem immensen Tierüberschuss von über 90 % verbunden, da die meisten Tiere nicht den Erwartungen der Forscher entsprechen oder sterben. Im Ergebnis müssen die künstlich im Labor hergestellten Tiere mit den körperlichen und seelischen Manipulationen ihres Erbguts leben, bis sie entweder qualvoll daran sterben oder möglicherweise für wissenschaftliche Untersuchungen getötet werden.

Besonders alarmierend ist eine Modeerscheinung, die sogenannte transgene Kunst, die ihren Anfang in den USA nahm und auch vor Deutschland nicht Halt macht. Diese von Eduardo Kac, brasilianischer Medienkünstler und Theoretiker, ins Leben gerufene neue Art der Kunst bedient sich der Möglichkeiten genetischer Manipulation von Lebewesen, um damit aufmerksamkeitserregende »Kunstwerke« zu erzielen.

Unter anderem wurden folgende leuchtende »Kunstobjekte« hergestellt:

  • GFP Bunny: leuchtender Hase namens Alba (2000); wurde in einem südfranzösischen Labor erzeugt (vermutlich im Rahmen der angeblichen Krebsforschung: Tiere, die mit einem Krebsgen versehen wurden, werden zusätzlich mit einem Leuchtgen versehen).
  • The eighth day: hybrides Biosystem, in dem unter einer Glasglocke fluoreszierende Pflanzen, Mäuse und Fische leben.
  • Bioroboter, dessen »Gehirn« aus fluoreszierenden Amöben besteht
  • Zebrabärblinge: in den USA gibt es diese Tiere in drei unterschiedlichen Farben zu kaufen.
    In Deutschland bzw. EU-weit ist der Handel und die Zucht von diesen künstlich hergestellten Leuchtfischen verboten. Allerdings wurden solche Fische hier schon illegal erworben wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht.
  • gelbe Schweineschnauzen (2001) in den USA: Gene von gelb-fluoreszierenden Quallen wurden in Schweine-Eizellen injiziert. Die Eizellen wurden einer Leihmuttersau eingepflanzt; Ergebnis: vier Ferkel, deren Schnauzen und Klauen gelb leuchten und ein normales Ferkel.

    Die Herstellung leuchtender Tiere ist immer mit Tierleid verbunden, das Herummanipulieren am Erbgut von Lebewesen ist allein schon aus ethischer Sicht abzulehnen. Meist entstehen bei der Herstellung missgebildete Tiere, die Schmerzen erleiden und Schäden davontragen und aufgrund ihrer Qualen sterben. Aus medizinischer Sicht sind solche Experimente nicht zu rechtfertigen, da sie der reinen Experimentierfreude der Forscher dienen und keinerlei klinische Relevanz haben.

    Auch evolutionsbiologische und ökologische Aspekte müssen allgemein im Zusammenhang mit der Herstellung genveränderter Lebewesen berücksichtigt werden. Denn es werden Artgrenzen durchbrochen - in der Natur würde sich eine Qualle nicht mit einem Kaninchen oder Affen kreuzen- genmanipulierte Lebewesen können sich beim Gelangen in die Natur mit normalen vermischen oder diese verdrängen. Ferner besteht die Gefahr des horizontalen Gentransfers, der Übertragung von Genen zwischen artfremden Organismen unabhängig von der sexuellen Fortpflanzung, dessen Funktion, Bedeutung, Ausmaß und potentielles Risiko nicht bekannt sind.

    So hell diese Tiere auch leuchten, so dunkel ist es um den echten biomedizinischen Fortschritt bestellt.

    Silke Bitz, Diplom-Biologin
     
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