Möchten Sie von einem Tierexperimentator operiert werden? Bad Oeynhausen ist ein beschaulicher Ort bei Bielefeld mit einem Klinikum der Ruhr-Uni Bochum, dem Herz- und Diabeteszentrum. Mit der Beschaulichkeit ist es nun vorbei. Der neue Klinikchef will nämlich Tierversuche einführen. Schweine sollen in einem geplanten »Trainingszentrum für Herzchirurgen« sterben. Diese Tierversuche sind nicht nur ethisch verwerflich, sondern auch medizinisch unsinnig. Schweine werden als Versuchstiere in der Herzchirurgie verwendet, weil sie angeblich dem Menschen so ähnlich sind. Tatsächlich gibt es aber beträchtliche Unterschiede hinsichtlich Körperbau und Organfunktion. Eine ausgewachsene Sau kann gut 200 kg, ein Eber 250 kg auf die Waage bringen. Meist werden in der Chirurgie jedoch wenige Monate alte Hausschweine mit einem Gewicht von 20 bis 50 kg verwendet. Gesunde oder künstlich geschädigte Jungtiere sollen also als »Übungsmodelle« für zumeist ältere, kranke Herzpatienten dienen, die oftmals zusätzlich vielfältige weitere Organschäden aufweisen. Bei dem Vergleich zwischen Schwein und Mensch stimmen weder Körperbau, noch Alter, Lebensbedingungen, Krankheitsursachen oder Begleiterkrankungen. Anstatt sich mit den wirklichen Verhältnissen beim menschlichen Patienten vertraut zu machen, sollen die Herzchirurgen an einer fremden Tierart üben. Auch das Testen von neuen Operationsmethoden, Herzklappen, Kunstherzen usw. am Tier ist nicht nur nutzlos, sondern irreführend. Ein gesundes Jungschwein unterscheidet sich vom kranken Menschen ganz erheblich. Um Medikamente oder andere Behandlungsmethoden zu erproben, werden Krankheitssymptome des Menschen bei Tieren künstlich hervorgerufen. Beispielsweise wird ein Herzinfarkt bei Schweinen oder Hunden durch Verschluss einer Herzkranzarterie, z. B. durch eine aufblasbare Manschette, simuliert. Doch die künstliche Erzeugung einzelner Symptome hat wenig mit den vielschichtigen Erkrankungen des Menschen gemein. Bei diesen, so genannten »Tiermodellen« werden z.B. die Ursachen der Krankheitsentstehung nicht berücksichtigt. Eine 10-jährige Langzeitstudie in Bayern bewies kürzlich, dass bei 51 untersuchten Tierversuchsanträgen die gewonnenen Erkenntnisse in keinem einzigen Fall in eine neue Therapie für Menschen umgesetzt werden konnten. Resultate aus Tierversuchen haben für kranke Menschen nicht nur keinen Nutzen. Im Gegenteil, Patienten wird eine Sicherheit vorgespiegelt, die nicht gegeben ist. Tierversuche täuschen darüber hinweg, dass der erste Einsatz einer neuen Therapie beim Menschen immer ein Menschenversuch mit unkalkulierbarem Risiko ist. Sie setzen die Hemmschwelle für den Einsatz wenig erforschter Methoden beim Menschen herab. Schweine sind ganz anders als viele Menschen denkenLaut Tierschutzgesetz dürfen Eingriffe zur Aus-, Fort- und Weiterbildung nur durchgeführt werden, soweit ihr Zweck nicht auf andere Weise erreicht werden kann. Operationsübungen an lebenden Tieren verstoßen gegen diese gesetzlichen Vorgaben, da ihr Zweck auch auf andere Weise zu erreichen ist. Kommerz und KarriereDie Durchführung von Operationskursen ist lukrativ. Die oftmals horrenden Teilnehmergebühren sowie Gelder aus dem Sponsoring durch Medizintechnik-Firmen fließen in die Taschen der Anbieter. Mit den Geldern können dann weitere Tierversuche finanziert werden. Doch auch in der Forschung dienen Tierversuche nicht dem Wohl der Patienten, sondern denen, die sie durchführen. Die Qualität eines Forschers wird nicht daran bemessen, wie vielen Patienten er geholfen hat, sondern an der Anzahl seiner Artikel. Viele Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften fördern die Karriere und lassen Forschungsgelder fließen. Dieses funktioniert bei Tierversuchen besonders gut, da niemand überprüft, ob deren Ergebnisse irgendeinen Nutzen haben. Sie können helfen!Mit Protesten an den nordrheinwestfälischen Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg wollen wir Druck auf die die Politik und die Genehmigungsbehörden ausüben, damit die Pläne, Tierversuche am Herzzentrum Bad Oeynhausen einzuführen, aufgegeben werden. >> Hier geht's zur Aktionsseite >> Dr. med. vet. Corina Gericke, Astrid Reinke, Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch
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