Die hässliche Seite der Schönheitsindustrie Tierversuche in der Kosmetik sind gesellschaftlich geächtet und in der EU gesetzlich verboten. Dennoch werden sie gemacht - in anderen Ländern. Die Produkte landen dann bei uns in den Läden. Dass dies nicht nur eine Behauptung der Tierversuchsgegner ist, belegt eine aktuelle Studie des britischen Dr. Hadwen Trust (1). Die Stiftung für tierversuchsfreie Forschung fand Beweise dafür, dass für bekannte Produkte wie Oil of Olaz und Colgate Zahncreme Tiere qualvoll sterben mussten. Die größten Kosmetikhersteller L'Oreal, Procter & Gamble und Colgate Palmolive verharmlosen in der Öffentlichkeit ihre Tierversuche und verweisen stattdessen auf ihre tierversuchsfreie Forschung. Tatsächlich, so fand der Dr. Hadwen Trust heraus, geben die Kosmetikgiganten nur einen winzigen Bruchteil ihres weltweiten Umsatzes für die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden aus. Oil of Olaz Badeschaum Procter & Gamble testete den im Oil of Olaz Badeschaum enthaltenen Duftstoff Cumarin an 38 Ratten und 50 Mäusen (2). Das in verschiedenen Pflanzen vorkommende Cumarin wird seit mehr als 100 Jahren als Duft- und Aromastoff verwendet. Unzählige Tierversuche wurden bereits durchgeführt. Bei Ratten und Meerschweinchen verursacht Cumarin Leber- und Lungenschäden. In hohen Dosen ist es bei Versuchstieren krebserregend. Oral aufgenommen sind großen Mengen Cumarin auch für Menschen giftig. Krebserregende Eigenschaften konnten jedoch in menschlichen Zellkulturen und beim Menschen noch nicht festgestellt werden. Bei zwei von Procter & Gamble in den USA durchgeführten Experimenten wurde die Substanz an Ratten und Mäuse verabreicht und die Tiere anschließend getötet, um die unterschiedliche Giftigkeit bei Nagern mit der beim Menschen zu vergleichen. Heraus kam, dass Cumarin bei männlichen Ratten eher zu Leberschäden führt, während weibliche Mäuse zu Lungenkrebs neigen. Wenn es zwischen den beiden Nagetierarten und sogar geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, wie sollen dann die Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden können? Neben den Tierversuchen wurden auch menschliche Zellkulturen eingesetzt. Angesichts der unzähligen Daten, die aus früheren Tierversuchen bereits vorliegen, und der Tatsache, dass Tests mit menschlichen Zellkulturen relevante Ergebnisse liefern, bleibt schleierhaft, warum 88 Tiere für diesen Badeschaum leiden und sterben mussten. Vichy Bi-White von L'OrealDer Hautaufheller Vichy Bi-White ist ein in Asien weit verbreitetes Produkt von L'Oreal. Die darin enthaltene Kojisäure wird in asiatischen Ländern seit Jahrzehnten für Nahrungsmittel wie Sojasoße und zur Aufhellung der Haut verwendet. Obwohl manche Asiaten Kojisäure in großen Mengen zu sich nehmen, gibt es bislang keinerlei Hinweise auf schädliche Wirkungen beim Menschen. Eine 1998 veröffentlichte Studie mit Personen, die seit 14 Jahre Kojisäure regelmäßig auf die Haut auftragen, bestätigte dies. In Japan durchgeführte Tierversuche hingegen deuteten auf Erbgut verändernde Eigenschaften hin. L'Oreal untersuchte erneut, ob Kojisäure Genmutationen auslösen kann. Die Substanz wurde 120 Ratten täglich 90 Tage lang oral verabreicht und 226 Mäusen in unterschiedlichen Dosierungen in die Bauchhöhle injiziert (3). In den hoch dosierten Gruppen litten die Ratten an Krämpfen und Bewegungsstörungen. Die Dosis war bis zu 26.600 Mal höher als Menschen bei Verwendung als Hautcreme aufnehmen würden. Auch bei den Mäusen wurde eine extrem hohe Dosis gegeben, noch dazu in die Bauchhöhle, was beim Menschen garantiert niemals vorkommt. Fünf von sechs Tieren starben. Selbst bei diesen abnorm hohen Dosen trat keine Erbgut verändernde Wirkung auf - im Gegensatz zu der japanischen Studie. Anstatt Tiere zu Tode zu quälen, hätten sich hier klinische Studien und Tests mit Bakterien (z:B: Ames-Test) sowie menschlichen Zellkulturen angeboten. Colgate SensitiveDie Zahnpasta Colgate Sensitive Maximum Strength wurde auf ihre Anti-Karies-Wirkung getestet (4). 70 Ratten, die zuchtbedingt zu Zahnproblemen neigen, wurden mit Bakterien in die Mundhöhle infiziert, um Karies und Löcher in den Zähnen hervorzurufen. Manche Tiere konnten vor Schmerzen kaum Nahrung aufnehmen. Einem Teil der Tiere wurde zweimal täglich die Testzahnpasta in den Mund gespritzt. Nach 20 Tagen wurden alle Ratten getötet. Weder bei den Tierversuchen noch bei den ebenfalls durchgeführten In-vitro-Tests gab es einen Unterschied zwischen Colgate Sensitive und anderen Zahncremes hinsichtlich der Verhinderung von Karies. Dennoch kamen die Autoren zu dem Schluss, dass Colgate Sensitive "hoch wirksam gegen Kariesbildung" sein könne. Wieder einmal wurden Tierversuchsergebnisse so hingebogen, wie man sie haben wollte. Almosen für Alternativen Die Kosmetikriesen stellen sich in der Öffentlichkeit gern tierfreundlich dar und brüsten sich mit hohen Investitionen für die Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren. Tatsächlich, so fand der Dr. Hadwen Trust heraus, handelt sich bei L'Oreal mit einem weltweiten Umsatz im Jahr 2006 von $ 16 Mrd. (10,3 Mrd. ) und einer jährlichen Ausgabe von 30 Millionen Euro für tierversuchsfreie Alternativen um gerade einmal 0,3 %. Procter & Gamble gibt von seinem weltweiten Umsatz von $ 76,5 Mrd. (50 Mrd. ) im Jahr 2007 schlappe $ 6 Mio. (3,9 Mio. ) für tierversuchsfreie Forschung aus. Das entspricht 0,008 %. Für Colgate Palmolive konnten keine Angaben ermittelt werden. Ende noch ungewiss Ab 11. März 2009 ist der Verkauf von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und deren Inhaltsstoffen in die EU für den größten Teil der Standard-Tierversuche verboten. Für drei Tierversuche tritt das Vermarktungsverbot erst 2013 in Kraft. Dieses Datum kann noch weiter verschoben werden, wenn bis dahin nicht genügend tierversuchsfreie Methoden behördlich anerkannt sind. Außerdem ist noch völlig ungewiss, wie und durch wen diese gesetzliche Regelung überhaupt kontrolliert werden soll. Es steht zu befürchten, dass die Kosmetikindustrie auch weiterhin alle Schlumpflöcher nutzen wird, um ihre Tierversuche fortzuführen.
(1) Dr. Hadwen Trust: The ugly face of the beauty industry: animal testing. http://www.drhadwentrust.org/news/the-ugly-face-of-the-beauty-industry-exposed (2) Vassallo, J.D. et al (2004): Metabolic detoxification determines species differences in coumarin-induced hepatotoxicity. Toxicological Science 80: 249-257. Vassallo, J.D. et al (2004): Roles for epoxidation and detoxification of coumarin in determining species differences in clara cell toxicity. Toxicological Sciences 82: 26-33. (3) Nohynek, G.J. et al (2004): An assessment of the genotoxicity and human health risk of topical use of kojic acid [5-hydroxy-2-hydroxymethyl)-4H-pyran-4-one]. Food and Chemical Toxicology 42: 93-105 (4) Fisher, S.W. et al (2003): Anticaries efficacy of a new dentifrice for hypersensitivity. American Journal of Dentistry 16(4): 219-222 Weitere Informationen: www.tierversuchsfrei-shoppen.de |