Einer weniger -
Affenquäler geht in Ruhestand


Er bohrte Löcher in Schädel von Totenkopfäffchen, schraubte Bolzen und Kammern darüber, schnallte die Tiere stundenlang in Affenstühle, stocherte mit Elektroden in ihren Gehirnen, um durch elektrische Stromstöße Schreie der unbetäubten Tiere auszulösen. Wie viele Affen er auf dem Gewissen hat, weiß niemand. Prof. Dr. Uwe Jürgens vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) ging 2007 in den Ruhestand, seine Abteilung Neurobiologie wurde geschlossen.

Seit 1991 war Jürgens Leiter der Abteilung Neurobiologie am DPZ. Hauptsächlich beschäftigte er sich mit der Frage, welche Hirnbereiche für die Lautäußerungen beim Totenkopfäffchen zuständig sind. Zwanzig Artikel haben wir in unserer Datenbank dokumentiert. Dokumente des Schreckens. Alle einander sehr ähnlich. Jürgens hat 17 Jahre lang die mehr oder weniger gleichen Versuche gemacht, hat Affen mit Stromstößen traktiert und ihre Schreie aufgezeichnet.

Auf der Website des DPZ sucht man vergeblich nach Hinweisen für eine klinische Umsetzung von Jürgens' 17-jähriger Forschungstätigkeit. Stattdessen findet man Angaben worauf sich sein »internationales wissenschaftliches Renommee« gründet: über 160 Publikationen, 170 Vorträge, gehalten in 24 Ländern, Betreuung von 20 Doktor- und 6 Diplomarbeiten. Das ist es, worum es in der Grundlagenforschung geht: Forschern in aller Welt, die an einem ähnlichen Thema arbeiten, von der eigenen Tätigkeit zu erzählen. Dies erhöht das Ansehen in der Forscherzunft. Je höher das Renommee, desto eher lassen sich Forschungsgelder kassieren. Diese stammen üblicherweise aus öffentlichen Kassen, das heißt von uns Steuerzahlern. Für kranke Menschen kommt nichts dabei heraus. Dies ist meist auch gar nicht vorgesehen.

Das »Lebenswerk« des Prof. Jürgens: unzählige zu Tode gequälte Affen und ein Haufen bedrucktes Papier, das kaum jemanden interessiert. Mit seinem Ausscheiden wird seine Abteilung dicht gemacht. War die Forschung des Prof. Jürgens selbst für das DPZ nicht wichtig genug, um fortgeführt zu werden?

Ein Grund zu feiern? Sicher nicht. Die Affenqual am DPZ geht unvermindert weiter - in anderen Abteilungen. Aber auch kein Grund zu resignieren. Zumindest werden die besonders perfiden Versuche an Totenkopfäffchen (vorerst) nicht mehr durchgeführt.


Dr. Corina Gericke
 
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