Schizophrene Forschung

Die Schizophrenie ist ein komplexes Krankheitsbild mit zahlreichen Formen und Ausprägungen. Die Ursachen sind sozialer, psychischer, biographischer, genetischer, hirnorganischer oder auch unbekannter Art - bei jedem Patienten in unterschiedlicher Kombination. Die tierexperimentelle Forschung meint jedoch ein »Tiermodell« für die Schizophrenie entwickeln zu können oder zu müssen. Bei Gerbils (Wüstenrennmäuse) werden durch Injektion einer Droge bestimmte Hirnstrukturen zerstört. Außerdem werden die Tiere in sozialer Isolation, d.h. einzeln in völlig strukturlosen Plastikkästen gehalten (1). Und das soll ein Schizophrenie-»Modell« darstellen? Eine krude Nachahmung einer komplexen Persönlichkeitsstörung.

Möglicherweise wussten die Autoren der Studie selbst nicht so genau, wonach sie eigentlich suchten. Experimentatoren des gleichen Instituts in Bielefeld veröffentlichten eine weitere Studie mit praktisch identischem Inhalt, nur dass diesmal als Ziel die Entwicklung eines »Tiermodells« für Psychose angegeben wurde (2).

Die 50 aktuellen, jetzt neu in die Datenbank eingespeisten Versuchsbeschreibungen sind ein erneuter Beweis für die Schizophrenie der tierexperimentellen Forschung.

Bei manchen Arbeiten erhält man den Eindruck, die Forscher suchten krampfhaft nach etwas Forschbarem, um ihre Pfründe zu sichern. So werden 67 Ferkel mit Durchfallerregern infiziert. Als Begründung für das Experiment wird angegeben, dass es zwar schon jede Menge Feldstudien zum Verlauf dieser parasitären Erkrankung bei Schweinen gibt, jedoch wenige Studien zu einem experimentellen »Modell«. Diesem Defizit musste unbedingt abgeholfen werden. Das Ergebnis war dann auch genauso banal wie das Ziel der Untersuchung: Ferkel mit Durchfall nehmen weniger an Gewicht zu als gesunde Tiere (3).

In einer Arbeit aus Erlangen wird eine Behandlung bei Ratten mit künstlich hervorgerufenem Bauchhöhlenkrebs untersucht. Diese Behandlung ist beim menschlichen Patienten längst etabliert und es gibt auch schon klinische Studien dazu, allerdings sind Menschen so furchtbar unterschiedlich, weswegen man doch lieber Daten am genormten »Tiermodell« untersucht (4).

Darf die bloße Tatsache, dass etwas zwar schon beim Menschen angewendet, aber noch nicht am Tier ausprobiert wurde, ein Grund für qualvolle Tierversuche sein? Unsere Datenbank beweist immer wieder, dass auch die absurdesten Versuchsanordnungen genehmigt werden.

Eine Forschergruppe aus Leipzig untersuchte die Mechanismen des Schutzes von Nervengewebe von überwinternden Hamstern - als Modell für den Schutz vor der Alzheimer Krankheit (5). Ein tolle Erkenntnis, dass Hamster kein Alzheimer bekommen, weil sich ihr Hirngewebe im Winterschlaf regeneriert. Aber welche praktische Bedeutung soll dies für uns haben? Müssen wir uns jetzt alle jeden Winter ein paar Monate eingraben oder in den Keller legen, um vor Alzheimer geschützt zu sein?

Literatur
(1) Dokumenten-ID: 3618
(2) Dokumenten-ID: 3619
(3) Dokumenten-ID: 3604
(4) Dokumenten-ID: 3608
(5) Dokumenten-ID: 3635
 
Startseite   Drucken   Beitrag weiterempfehlen