Skorpione im Weltall

Was hat ein Skorpion im Weltall zu suchen? Eigentlich nichts, aber er ist als Versuchstier so praktisch, weil er ohne Nahrung und auf einer Platte festgetackert monatelang ausharren kann. Er beschwert sich auch nicht, wenn ihm dabei auch noch Elektroden in Auge, Bein, Leib und Gehirn gestochen werden.

Der Ulmer Neurobiologe Eberhard Horn will den Einfluss der Schwerkraft auf die Entwicklung von Tieren ergründen. Fische, Skorpione, Grillen und Kaulquappen müssen dafür herhalten. Manche Tiere lässt er ins Weltall schießen, andere bleiben auf der Erde, müssen aber in einer rotierenden Zentrifuge leben.

Zwei weitere Beispiele aus dem Horrorkabinett des Dr. Horn:

Grillen werden die Fortsätze ihres Hinterleibs abgeschnitten, in denen sich ihr Sinnesorgan zur Schwerkraftwahrnehmung befindet. Wenn die Fortsätze nachwachsen, werden sie wieder abgeschnitten.

Kaulquappen des Afrikanischen Krallenfrosches werden durch ein Gift gelähmt - nicht betäubt(!). Die Haut am Rücken wird teilweise entfernt. An zwei Stellen werden Elektroden in das Tier bis zu einem Nervenknoten gestochen. Die Kaulquappe wird nun mit einem Mäuseschnurrhaar am Schwanz gereizt. Dadurch wird »fiktives Schwimmen« ausgelöst, d.h. die Kaulquappe will wegschwimmen, kann aber nicht, weil sie gelähmt ist. Die Nerven feuern, aber die Muskeln reagieren wegen der Lähmung nicht. Die Nervenaktivitäten werden mit Hilfe der eingestochenen Elektroden gemessen. Diese Prozedur wird acht Tage lang mehrfach täglich wiederholt.

Das Ergebnis der jahrelangen Forschungen: Den Tieren ist es egal, ob sie sich im Weltall entwickeln oder auf der Erde. Ob sich wohl diese bahnbrechenden Erkenntnisse auch irgendwie auf den Menschen übertragen lassen? Das nächste Projekt ist auf jeden Fall schon geplant. Diesmal geht es um Beinbewegungen von Grillen in der Schwerelosigkeit. Es ist doch beruhigend zu wissen, dass unsere Steuergelder wieder einmal zum Wohle und Nutzen des Menschen angelegt wurden.

Diese und 47 weitere Beschreibungen von aktuellen, in Deutschland durchgeführten Tierversuchen wurden heute in unsere Internetdatenbank eingespeist.


Dr. Corina Gericke

Quellen:
Datenbankversuche ID: 3528, 3529, 3530, 3531
 
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