Tierversuche schützen nicht vor bösen Überraschungen

Hatten wir es nicht schon immer gesagt? Tierversuche können nicht vor bösen Überraschungen schützen. Tragisch, dass sechs junge Männer in London diese eigentlich seit langem bekannte Erkenntnis mit ihrer Gesundheit bezahlen mussten. Sie wollten als Medikamententester nur etwas Geld verdienen und landeten mit schwersten Organversagen auf der Intensivstation, kurz nachdem sie das neue Medikament TGN1412 der Firma TeGenero aus Würzburg eingenommen hatten. Einer von ihnen wird bleibende Schäden davontragen. Bei zuvor durchgeführten Tierversuchen an Ratten, Kaninchen und Affen hatte es keine Probleme gegeben. Dieser jüngste Arzneimittelskandal rief endlich einmal eine Reihe tierversuchskritischer Stimmen in Medien und Wissenschaft auf den Plan.

»Nur jeder 50. Tierversuch mit neuen Medikamenten ist auf den Menschen übertragbar« titelte die Welt am 17. Mai 2006. Der Artikel, der zuvor auch schon in der Technik-Zeitung »vdi nachrichten« erschienen war, stellt dem Tierversuch ein schlechtes Zeugnis aus. Nur einer von im Schnitt 50 Wirkstoffen, die im Tierversuch funktionieren, wird erfolgreich weiterverfolgt, d.h. schafft es zur Marktreife. Susan Greenfield, leitende Pharmakologin an der Oxford University wird in dem Artikel zitiert: »Auch wenn Maus und Mensch sich 95 Prozent der Gene teilen, scheinen genetisch maßgeschneiderte Tierversuche gerade bei Erkrankungen mit komplexen Ursachen wenig geeignet«.

Die Erkenntnis, dass viele menschliche Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz- und Immunkrankheiten wegen ihrer vielfältigen Ursachen im Tierversuch nicht nachgeahmt werden können, und dass deswegen bei dieser Art der Forschung nichts Sinnvolles für den Menschen herauskommen kann, ist nicht gerade neu. Aber es ist gut zu wissen, dass sie inzwischen auch in einigen Wissenschaftskreisen angekommen ist. Silvia von Weiden, Autorin der Artikels in der Welt, schlägt Biodatenbanken als Alternative vor, durch die molekularbiologische und medizinische Daten von Patienten mit ihrem Lebensstil verglichen werden.

»Erkenntnisgewinn ungenügend« hieß es im Wissenschaftsteil der Süddeutschen Zeitung vom 1. März 2006. Der Artikel beschäftigt sich mit mehreren tierversuchskritischen Studien der letzten Jahre und stellt das »Pauschalargument« in Frage, »dass Tierversuche zentrale Erkenntnisse für die menschliche Gesundheit« liefern würden. In einer auf zehn Jahre angelegten Langzeitstudie aus Bayern konnte nachgewiesen werden, dass bei den untersuchten tierexperimentellen Arbeiten nicht eine einzige zu neuen Therapien beim Menschen geführt hatte. Die gleiche Studie griff die Münchner TZ zum Tag des Versuchstiers auf: »Studie enthüllt: Tierversuche bringen nichts«. Von 51 untersuchten Tierversuchsvorhaben waren nur 0,3 % der Ergebnisse auf den Menschen übertragbar gewesen. »Bei 99,7 % mussten die Tiere völlig umsonst leiden und sterben,« folgerte die TZ.

Der kritische Trend in einigen Medien ist eine klare Bestätigung unserer jahrzehntelangen Bemühungen, das völlig überholte tierexperimentelle Forschungssystem mit wissenschaftlichen Argumenten aus den Angeln zu heben. Doch wie viele Arzneimittelskandale müssen noch passieren, bis sich die Medizin endlich von der Uralt-Methode Tierversuch verabschiedet?

Dr. Corina Gericke






 
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