Tabakforschung - Ratten zum Rauchen gezwungen Von Dr. Corina Gericke Dass Tabakrauchen Lungenkrebs und zahllose andere Leiden hervorruft, ist nun wirklich nicht neu und dass Tierversuche zur Entwicklung von Tabakerzeugnissen in Deutschland verboten sind, auch nicht. Dies hält große Tabakkonzerne in aller Welt jedoch nicht davon ab, ihre Produkte in endlosen Tierversuchsreihen zu testen. Auch in Deutschland dürfen solche Tierversuche durchgeführt werden, wenn man behauptet dadurch die Schäden des Zigarettenkonsums verringern zu wollen. Unerwünschte Resultate verschwinden allerdings gleich in der Schublade. Britische Wissenschaftler fanden heraus, so berichtet das Fachblatt »Lancet«, dass Tabakgigant Philip Morris zwischen 1981 und 1989 nicht weniger als 800 Studien zum Passivrauchen durchführen ließ (1). Veröffentlicht wurden allerdings nur solche, deren Aussagen als industriefreundlich einzustufen waren. Auftragnehmer war die Firma Infibo in Köln, Philip Morris Research Laboratories GmbH (1). In unserer Datenbank haben wir mehrere Arbeiten dieser Firma dokumentiert, bei denen Ratten zum Teil wochenlang zum Rauchen gezwungen wurden - die letzte stammt aus dem Jahr 2004 (2). In zwei Stellenannoncen im Deutschen Tierärzteblatt aus den Jahren 2003 und 2004 (3) sucht das Kölner Labor Tierärzte zur »Auswertung experimenteller inhalationstoxikologischer Studien«. Die sinnlose Tierquälerei geht also unvermindert weiter. Sie leiste »einen Beitrag zum allgemeinen wissenschaftlichen Verständnis der gesundheitlichen Auswirkungen des Zigarettenrauchens« heißt es in der Selbstdarstellung der Firma. »Es sollen Ansätze gefunden werden, mittels derer sich diese Auswirkungen möglicherweise verringern lassen«. Es ist kaum fassbar, dass für solche Binsenwahrheiten empfindsame Lebewesen leiden und sterben müssen. Dass solche Versuche überhaupt von einer deutschen Behörde genehmigt werden, ist möglich, weil sowohl Genehmigung als auch Durchführung von Tierversuchen unter absolutem Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen. Anderenfalls wäre mit erheblichem Widerstand gegen diese Art der Forschung zu rechnen. Mit Bevölkerungsstudien über die »gesundheitlichen Auswirkungen des Zigarettenrauchens« könnte man inzwischen ganze Bibliotheken füllen. Wir wissen heute: Tabakrauch ist die Hauptursache für mehr als 40 schwerwiegende, zum Teil tödlich verlaufende Krankheiten. Mindestens 140.000 Menschen sterben allein in Deutschland jährlich an den Folgen ihres Lasters. Dazu kommen 400 Nichtraucher, die an Lungenkrebs sterben und auf das Konto der Raucher gehen. Seit 1964 erscheit jährlich ein Bericht der obersten amerikanischen Gesundheitsbehörde (»Surgeon General's Report on Smoking and Health«), der den aktuellen Wissensstand zu den Folgen des Rauchens, basierend auf Humanstudien, zusammenfasst. Die neusten Erkenntnisse aus dem 900 Seiten starken Bericht von 2004: Die Folgen des Nikotinkonsums sind noch weitaus schlimmer als bisher angenommen. Grauer Star, Lungenentzündung, Leukämie und Krebs an Niere, Bauchspeicheldrüse, Magen und Gebärmutterschleimhaut sind die neusten Ergänzungen auf der Liste der Raucherleiden (4). Schon 1991 konstatierte die damalige Leiterin der amerikanischen Gesundheitsbehörde: »Das Rauchen und seine Folgen ist das am besten dokumentierte Krankheitsbild, das jemals in der Geschichte der Humanforschung untersucht wurde« (5). Wozu dann also Tierversuche, deren Ergebnisse noch dazu nicht auf den Menschen übertragbar sind? Übrigens bezweifelte man noch in den 50er Jahren die schädliche Wirkung des Tabaks, nicht zuletzt aufgrund irreführender Tierversuchsresultate. Philip Morris möchte »Ansätze« finden, um die »Auswirkungen möglicherweise zu verringern« Wie löblich. Die beste (und einzige) Möglichkeit, die Auswirkungen zu verringern, liegt auf der Hand, ist nämlich nicht zu rauchen. Doch das ist natürlich nicht im Interesse des Konzerns. So werden weiter Ratten in sinnlosen Versuchsreihen gequält. Dr. med. vet. Corina Gericke Literatur
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