Neue Tierversuche in der Datenbank - grausam und unsinnig

Heute wurden 50 weitere Dokumente über in Deutschland durchgeführte Tierversuche in die Datenbank aufgenommen Sie beweisen einmal mehr, wie grausam und unsinnig Tierversuche sind und wie dringend notwendig ihre Abschaffung ist.

»Tierversuche sind unumgänglich, um neue Therapien für den Menschen zu testen« heißt es oft zur Rechtfertigung von Tierversuchen. Doch häufig haben Tierversuche nicht einmal im entferntesten Sinn etwas mit der Humanmedizin zu tun. So sind in unserer Datenbank zahlreiche Versuche mit »exotischen« Tieren dokumentiert, deren Sinn und Zweck einzig darin zu bestehen scheint, einzelnen Experimentatoren eine Karriere zu ermöglichen und Fördermittel (= Steuergelder) abzusahnen.

Der Körper einer Fledermaus wird in eine Sandwich-artige Apparatur gespannt, so dass sich das Tier nicht mehr bewegen kann. Der Kopf wird mit Hilfe eines am Schädel festgeklebten Rohres fixiert. Unter Lokalanästhesie (!) werden mehrere Löcher in den Schädel gebohrt, durch die Elektroden in das Gehirn eingeführt werden. Die Fledermäuse schreien, wenn elektrische Reize über die Elektroden verabreicht werden. Ihre Schreie werden aufgezeichnet. Die Versuche finden ohne Narkose statt und dauern bis zu 5 Stunden (1). Ein anderer Experimentator quält Fledermäuse in ähnlichen Versuchsanordnungen schon seit mindestens 30 Jahren (2). Auch Eulen (3) und Goldfische (4) werden mit Vorrichtungen auf dem Schädel und Elektroden im Gehirn traktiert.

Aber auch Versuche, die auf den ersten Blick für die Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten für den Menschen nützlich erscheinen mögen, offenbaren bei genauerem Hinsehen ihre Unsinnigkeit.

Um den Einfluss von Stress auf die Entstehung einer Dickdarmentzündung (Kolitis) zu untersuchen, wird Mäusen eine Substanz in den Darm gespritzt, die dort eine Entzündung hervorruft. Bei einigen Mäusen wird nun Stress ausgelöst, indem die Tiere 24 Stunden lang mit lauten Tönen in 15 Sekunden-Intervall traktiert werden (5). Was hat ein solcher 'Stress' mit Über- oder Unterforderung bei der Arbeit, Streit zu Hause, dem Straßenverkehr oder anderen Stressoren des Menschen zu tun? Und was hat eine durch chemische Reizung, also künstlich hervorgerufene Entzündung mit der Kolitis des Menschen gemein? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, eine Studie über die Lebensgewohnheiten von menschlichen Kolitis-Patienten durchzuführen, als Mäuse derart zu quälen?

Dass klinische Untersuchungen an Patienten zu aussagekräftigen Ergebnissen führen, haben manche Forscher durchaus erkannt. Trotzdem werden oftmals parallel dazu noch Tierversuche durchgeführt. Ein Beispiel aus den neuen Datenbank-Tierversuchen: Foxhounds wird eine Nierenarterie abgeklemmt, um die mangeldurchblutete Niere mit computergestützten, bildgebenden Verfahren zu scannen. In der gleichen Arbeit werden solche Untersuchungen an menschlichen Patienten mit Nierenschäden beschrieben (6). Wozu also noch die Tierversuche?

Eine kürzlich in einer renommierten Fachzeitschrift erschienene Studie britischer Wissenschaftler bestätigt, dass Tierversuche häufig nicht vor klinischen Versuchen stattfinden, sondern gleichzeitig, was ihre Relevanz für den Menschen noch weiter in Frage stellt. Doch auch wenn Tierversuche klinischen Studien vorausgehen, verhindern negative Resultate oft nicht, dass entsprechende Tests trotzdem am Menschen stattfinden, wodurch die vorangegangenen Tierversuche ad absurdum geführt werden (7).

Manche der neu in die Datenbank eingestellten Tierversuchs-Beschreibungen stammen zwar aus dem Jahr 2003, sind aber insofern nicht neu, als wir bereits Dutzende ähnlicher Experimente dokumentiert haben. Manche Experimentatoren machen über Jahrzehnte hinweg immer wieder die mehr oder weniger gleichen Versuche. So werden Katzen nach Durchtrennung von Augenmuskeln zum Schielen gebracht (8) oder ihnen werden Löcher in den Schädel gebohrt, ihr Kopf wird an Bolzen angeschraubt und ein Motor treibt Elektroden in ihr Gehirn (9). Primaten, meist Javaner- oder Rhesusaffen, müssen zunächst dursten, damit sie bestimmte Aufgaben für einen Tropfen Saft als Belohnung ausführen. Die normalerweise bewegungsaktiven Affen werden dann in so genannten Primatenstühlen festgeschnallt, ihr Kopf wird mit zuvor auf dem Schädel montierten Bolzen bewegungslos an ein Gestell geschraubt (10,11).

Apropos Primaten: Die hehre Selbstbeschränkung der Forscher seit 1992 keine Versuche an Menschenaffen in Deutschland mehr durchzuführen, mutet geradezu lächerlich an, wenn man weiß, dass deutsche Experimentatoren durchaus an Schimpansen experimentieren - wenn auch nicht im eigenen Land. Die Dokumente in der Datenbank beweisen, dass dies immer wieder vorkommt, deutsche Forscher experimentieren im Ausland an Schimpansen (12,13).


Wenn Sie die oben erwähnten Arbeiten in der Datenbank abrufen möchten, geben Sie den jeweiligen, hier genannten Erstautor und die Stadt ein:

(1) Fenzl, München
(2) Schlegel, München
(3) Köppl, Garching
(4) Kirsch, Bonn
(5) Fatima, Berlin
(6) Schoenberg, Heidelberg
(7) British Medical Journal 2004: 328, 514-517
(8) Kaschube, Göttingen
(9) Wilms, Marburg
(10) Ilg, Tübingen
(11) Ignashchenkova, Tübingen
(12) Möhle, Göttingen
(13) Eberl, Gießen
 
Startseite   Drucken   Beitrag weiterempfehlen