Tierversuche für Tiernahrung von Astrid Reinke, Tierärztin In deutschen Haushalten werden rund 23 Millionen Heimtiere (ohne Fische, Amphibien und Reptilien) gehalten. Fast alle fressen Fertigfutter. Kaum einem Tierhalter ist bewusst, dass täglich unzählige Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen, Pferde, Schafe, Schweine, Vögel und viele andere Tiere in Versuchslaboren für Tierfutter leiden müssen. Futtermittelhersteller behaupten gerne, lediglich harmlose Geschmackstests durchzuführen. Dass wir solchen Auskünften nicht trauen dürfen, hat kürzlich das Beispiel der Firma »Iams« gezeigt. Die Tierrechtsorganisation PeTA hatte bei Iams in den USA undercover dokumentieren können, wie Hunde und Katzen in dunklen Käfigen ohne Unterlage vor sich hinvegetierten. In Massenabfertigung wurden chirurgische Eingriffe an Hunden vorgenommen. Die einzeln in winzigen Käfigen gehaltenen Tiere zeigten schwerste Verhaltensstörungen. Andere Futtermittelhersteller verweisen darauf, mit Tierernährungsinstituten von Universitäten zusammenzuarbeiten. In unserer Datenbank sind zahlreiche Beispiele auch aus Deutschland dokumentiert.
Vögel
Katzen
Hunde
Viele Futtermittelhersteller unterhalten Tierlabors im Ausland oder arbeiten mit ausländischen Universitäten zusammen. So wird Hunden z.B. im Anschluss an Futtertests, der Bauch geöffnet und Proben aus dem Darm entnommen, oft mehrere Male hintereinander, nach verschiedenen Fütterungstests. Oder man probiert, ob die Fütterung einer Nierendiät Vorteile bringt, wenn man gesunden jungen Hunden künstlich einen Nierenschaden zufügt (5).
Das Versuchstier wird als Messinstrument benutzt. Man füllt vorne etwas hinein und misst an anderer Stelle was herauskommt. Aus »Nutztieren« will man die maximale Leistung herausholen. Bei »Heimtieren« geht es darum, sich durch neue Futterzusammensetzungen Marktvorteile zu sichern. Für verschiedenste Erkrankungen gibt es bereits wirksame Diäten, zudem sind zahlreiche Rezepturen zum Selberkochen bekannt, z.B. Herz- Kreislauf-, Nieren-, Leber-, Diabetes-, Arthrosediäten. Bei der Entwicklung solcher Diäten für Menschen brauchte man keine belastenden Menschenversuche. An Versuchstieren dürfen jedoch grausame Quälereien verübt werden, damit der Hund, die Katze oder das Meerschweinchen im Privathaushalt das bestverkäuflichste Futter erhält. Auch in der Tierernährung wäre es, wie im Bereich der Ernährungswissenschaften des Menschen, machbar, weitere Verbesserungen durch gründliche Auswertung bekannter Tatsachen, durch Beobachtung und Erstellen epidemiologischer Studien zu erreichen. Erforschen von Ursachen und Zusammenarbeit mit Tierärzten und Tierhaltern sind weitere Wege Futtermittel ohne Einsatz von Versuchstieren zu entwickeln. Dass trotzdem Tierversuche hinter verschlossenen Türen und unter künstlichen Laborbedingungen durchgeführt werden, legt den Verdacht nahe, dass die Ergebnisse der Untersuchungen im eigenen Interesse beeinflusst werden. Die Futtermittelbranche boomt. Tierfutter wird üblicherweise nicht aus Sicht des Tieres, sondern aus Sicht des Tierhalters gekauft. Dem Kaninchen sind die Regenbogenfarben und die Form seiner Futterherzchen egal. Der Katze schmecken Cräcker in Katzenkopfform ebenso wie im Fischlook. Aufgrund von Umfrageergebnissen werden Futtermittel mit Merkmalen entwickelt, für die Tierhalter am meisten Geld auszugeben bereit sind.
Kaum ein Tierhalter weiß, dass Firmen, die aufwendige Fotowerbekampagnen mit verspielten, niedlichen und vor allem glücklichen Tieren zeigen an anderer Stelle Versuchstiere quälen. Qualitätstierfutter sind im allgemeinen ausgewogen und Tierärzte sehen kaum Abmagerung oder Mangelerscheinungen infolge minderwertigen Fertigfutters. Trotzdem werden weiter Tierversuche gemacht, ständig werden Farbe, Bröckchengröße oder Geschmack des Futters geändert, werden neue Inhaltsstoffe hineingemischt, die fantasievolle Namen tragen und von denen kurze Zeit später niemand mehr spricht. Neuerdings werden Futtersorten für bestimmte Rassen angeboten. Statt züchtungsbedingte Defekte wie z.B. Haarprobleme der Perserkatzen, Haut-, Verdauungs-, und Gelenkprobleme des Deutschen Schäferhundes und viele andere mehr durch eine Änderung des »Rassestandards« ursächlich anzugehen, bleiben die bekannten Schwachstellen der Rassen bestehen und Tierhalter werden gedrängt, die gesundheitlichen Probleme mit einem speziellen Futter zu entschärfen. Tierexperimentelle Tierernährung - ein Beispiel für grausame und sinnlose Tierversuche; Tierversuche, die niemand braucht, weder Mensch noch Tier.
(1) Ein Stoffwechselkäfig ist eine kleine Kammer, kaum größer als das entsprechende Tier selbst, die eine Messung der ein- und ausströmenden Luftmenge, der aufgenommenen Nahrungsmenge sowie der ausgeschiedenen Kot- und Harnmenge erlaubt
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