Die Hormonersatztherapie - ein trauriges Beispiel für die Gefährlichkeit von Tierversuchen

»Wir erinnern uns noch gut an den Aufschwung der Hormontherapie. Viele der gerühmten guten Ergebnisse wurden fälschlicherweise von Tierversuchen abgeleitet … Als die Präparate klinisch bei Menschen angewendet wurden, stellte sich heraus, dass sie nicht nur auf irreführenden Resultaten beruhten, sondern in manchen Fällen auch höchst gefährlich waren.« (»Medical World«, 6. Juni 1947, S.471).

Dieses Zitat aus einer medizinischen Fachzeitschrift ist nicht etwa eine Reaktion auf die neuesten epidemiologischen Studien, die eine deutlich erhöhte Krebsrate bei Frauen, die während der Wechseljahre Hormone einnehmen, belegen, sondern es stammt aus dem Jahr 1947.

Es ist eines von vielen Zitaten aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, die eindringlich auf die Gefahren hinweisen, die von künstlichen Hormonen, die im Tierversuch erforscht wurden, ausgehen. Trotz dieser Warnungen und zahlreicher »Therapiefehlschläge« wurden weiterhin Hormone eingesetzt. Die Folgen blieben nicht aus:

Im Jahr 1973 veröffentliche Dr. Miller, der damalige Leiter der epidemiologischen Abteilung des nationalen amerikanischen Krebsforschungsinstitutes (NCI) einen Bericht über die krebsauslösende Wirkung von »Stilböstrol« einem Östrogenpäparat, dass schwangeren Frauen gegeben wurde, um einen »guten Schwangerschaftsverlauf« zu gewährleisten. Die Folge war, dass bei den Mädchen, die geboren wurden, vermehrt Vaginalkrebs auftrat, der sonst nur bei älteren Frauen vorkommt. Diese Veröffentlichung von Dr. Miller veranlasste die WHO eine Warnung an die Ärzteschaft zu versenden, da es »fraglos erwiesen sei, dass das Hormonpräparat Stilböstrol beim Menschen Krebs verursacht habe«.

Daraufhin propagierte die Pharmaindustrie den Einsatz von Hormonpräparaten während der Wechseljahre, obwohl es warnende Stimmen gab, die auf ein erhöhtes Krebsrisiko und andere Nebenwirkungen hinwiesen. Diese Warnung wurde über mehr als zwei Jahrzehnte nicht ernst genommen. Jetzt belegt eine große englische Studie - die »Million Women Study«- das erhöhte Krebsrisiko durch die Einnahme künstlicher Hormone. Von über einer Million Frauen, die über zehn Jahre lang beobachtet wurden, erkrankten etwa 20.000 Frauen an Brustkrebs aufgrund der Hormoneinnahme. Bereits ein Jahr zuvor ergab eine große Bevölkerungsstudie aus den USA - die so genannte WHI-Studie (Women`s Health Initiative), dass durch eine bestimmte Hormonkombination (Gestagen-Östrogen-Kombination) das Herzinfarktrisiko um 29 % ansteigt.

Diese dramatischen Auswirkungen veranlassten jetzt auch offizielle Stellen wie z.B. die Deutsche Krebsgesellschaft und das Zentrum für Muskel- und Knochenforschung der Charité in Berlin vor dem Einsatz der Hormonersatztherapie während und nach den Wechseljahren der Frau zu warnen.

Man nennt das Vorgehen, medizinische Daten durch Beobachtung von Bevölkerungsgruppen und ihre Besonderheiten zu erheben, »epidemiologisch«. Epidemiologische Studien sind eine sehr effektive Möglichkeit relevante Aussagen über Ursachen und Prävention von Krankheiten zu erlangen - wesentlich wirkungsvoller als Tierversuche, die keinen wissenschaftlichen Nutzen für die Humanmedizin haben - außer der immer wieder neuen bitteren Erkenntnis, dass die Ergebnisse der Experimente an Tieren auf den Menschen nicht übertragbar sind.

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass aufgrund von Ergebnissen aus Tierversuchen, die Hormontherapie in die Medizin eingeführt wurde. Viele Hinweise auf die Nichtübertragbarkeit der Ergebnisse und auf schädliche und tödliche Nebenwirkungen der daraus entwickelten Medikamente wurden über Jahrzehnte hinweg in unverantwortbarer Weise ignoriert. Der Nachweis der tödlichen Schädlichkeit von Hormontherapien für den Menschen konnte durch Tierversuche nicht erbracht werden, sondern wurde erst durch die Beobachtung des Menschen entdeckt.
Die aktuelle Situation der Hormonersatztherapie ist ein trauriges Beispiel für die Tatsache, dass der Glaube an die Gültigkeit von Tierversuchen Leid für Mensch und Tier bedeuten.

Peter Jennrich, Facharzt für Allgemeinmedizin; Naturheilverfahren

 
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