50 neue Tierversuche in der Datenbank - kaum zu überbietender Schwachsinn Sicher wollten Sie schon immer wissen, was im Gehirn von jungen Degus vor sich geht, wenn man sie von ihrer Mutter trennt. Degus sind kleine südamerikanische Nagetiere und neurophysiologische Erkenntnisse aus Versuchen an diesen Tieren sind natürlich ungeheuer wichtig für die Medizin und die Menschheit überhaupt. In den 50 neuen für die Datenbank bearbeiteten Tierversuchen finden sich vier Studien zu diesem überaus bedeutenden Themenbereich, alle in Magdeburg (1) durchgeführt. Dafür zahlen wir doch gern unsere Steuern. Apropos Steuern: Dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen Großteil der Tierversuche finanziert, ist vielleicht nicht ganz neu, auch nicht, dass diese ihre Mittel, also unsere Steuergelder, von Bund und Ländern erhält. Der Etat der DFG für das Jahr 2003 betrug 1,260 Milliarden (!) Euro. Aber haben Sie gewusst, dass auch die Volkswagenstiftung (2), die NATO (3) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) (4) Tierversuche finanziell unterstützen? Die Tierversuchsbeschreibungen in der Datenbank enthalten ab sofort auch Angaben zur Finanzierung des Tierversuchs, sofern zu ermitteln. (Mehr Infos zur Finanzierung von Tierversuchen und was Sie für die Umschichtung der Gelder hin zu einer tierversuchsfreien Forschung tun können, finden Sie hier.) Die 50 neuen Versuche sind wieder einmal an Grausamkeit kaum zu überbieten. Da werden 25 Hunden die Schienbeine durchgemeißelt (5), Ratten wird ein Augennerv gequetscht (6), bei Katzen wird Senföl in die Harnblase gefüllt (7), Wüstenrennmäuse (Gerbils) erhalten Elektroschocks an die Pfoten (8), Schafe gehen nach Injektion von Salmonellen in die Blutbahn qualvoll an einer Blutvergiftung zugrunde (9), Ratten sterben unter Krämpfen nach Injektion eines Pferdevirus direkt ins Gehirn (10). Wenn Sie glauben, dass diese Quälereien zwar schrecklich sind, aber nun einmal sein müssen, um neue Medikamente und Therapien für den Menschen zu finden, so liegen Sie falsch. Tierversuche sind nicht nur grausam, sie sind vor allem auch vollkommen überflüssig. Beispiele aus den neuen Datenbank-Tierversuchen verdeutlichen dies. Neben den oben erwähnten Experimenten an Degus wartet die Menschheit natürlich händeringend darauf, etwas über die Funktion des Hörbereichs des Gerbilgehirns zu erfahren (11) (Gerbils sind übrigens Wüstenrennmäuse), über das räumliche Wahrnehmungsvermögen von Seelöwen (12) oder die Steuerung der Lautäußerungen bei Totenkopfäffchen (13). Wenn den Experimentatoren dann gar nichts mehr einfällt, wie sie unsere Steuergelder verschleudern können, vollziehen sie im Tierexperiment nach, was in der Humanmedizin schon längst etabliert ist. So wird zum Beispiel bei einem Versuch an Hunden eine chirurgische Methode zur Knochenverlängerung untersucht, die seit Anfang der 80er Jahre beim Menschen durchgeführt wird (5). Und in einer anderen Arbeit (14) heißt es als Begründung: »Obwohl die Methode der Gewebeschrumpfung in der Human-Orthopädie weit verbreitet ist und es bereits klinische Langzeitstudien an menschlichen Patienten gibt, existieren kaum tierexperimentelle Studien.« Diesem Defizit mussten die Autoren jetzt unbedingt abhelfen. Wenn Sie die oben erwähnten Arbeiten in der Datenbank abrufen möchten, geben Sie den jeweiligen, hier genannten Erstautor und die Stadt ein: (1) Helmeke, Ovtscharoff, Braun, alle Magdeburg
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