China prescht vor

Die Welt rückt näher und näher zusammen, Handelsbarrieren werden eingerissen, Entfernungen spielen kaum noch eine Rolle. Auch die mit Tierversuchen operierende Wissenschaft, seit jeher international vernetzt, profitiert von der Globalisierung und kann ihre praktischen Bedürfnisse immer bequemer bedienen. Wo gibt es Tiere am billigsten? Wer gibt den höchsten Rabatt? Wo lassen sich Einrichtungen am günstigsten (mit-)benutzen?

Das Beispiel Israel haben wir schon vor einiger Zeit vorgestellt. Aber es geht noch weiter, noch größer, noch schöner. In letzter Zeit kommt das einstmals ferne China immer mehr ins Gespräch. In einer Stadt namens Guangzhou soll nächstes Jahr die bereits bestehende Beagle - Zucht zur größten des Landes (und damit wohl auch der Welt ) ausgebaut werden, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhuanet vermeldet. 8000 Beagles können dann jährlich für Tierversuche gezüchtet und vermarktet werden. Der Direktor Chen Weiping erklärt, dass die meisten Tiere für ausländische Institute bestimmt sind, »for overseas experiments«. Alles von Guangzhou aus gesehen ist »Übersee«. Qualvolle Langstreckenflüge übers Meer bilden dann die notwendige regelmäßige Vorstufe zum letzten Lebensabschnitt für die todgeweihten Beagles. Wahrlich arme Hunde, die das Pech hatten, von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als die besten Probanden für Pharmaka, Lebensmittel, chemische und kosmetische Produkte erklärt zu werden.
Wahrscheinlich sind schon Verträge und Vorverträge mit Abnehmern der Ware Beagle geschlossen, wahrscheinlich rechnen Fluglinien schon mit dem neuen Geschäft. Nur von den jahrzehntelangen profitablen Affentransporten haben sich die europäischen Airlines unter moralischem Druck mittlerweile verabschiedet. (»Air France« ist die einzige, die noch immer weltweit Affen in den Labortod fliegt, allein im letzten Jahr 2635 nach Amerika. Eine gezielte Tierrechtskampagne, die »Air France« die Lust an diesem Geschäft nehmen soll, hat gerade in diesen Tagen begonnen.) Versuchstiere aller Art werden weiterhin kreuz un öd quer durch die Welt geflogen, die chinesischen Beagles könnten die Bilanz verbessern. In Anbetracht des rückläufigen Tourismus vielleicht ein kleiner Trost. Geld blutet nicht.
In Guangzhou sind zusätzlich noch Laboratorien geplant, in denen einheimische und ausländische Pharmafirmen ihre Produkte an Hunden testen können. Vermutlich zu günstigen Bedingungen - und mit weniger Ärger von Seiten der hundeliebenden Bevölkerung der westlichen Welt.
Große Ambitionen hat China offenbar auf dem Gebiet des Klonens. Die Meldungen über erfolgversprechende Versuche häufen sich auffallend. Von geklonten Schafen und Kühen wird berichtet, und im Mai wurde in Nanking ein weißes Kaninchen aus einer Embryonalzelle gezaubert.

Im Oktober gab Peking bekannt, dass eine seltene Rinderart, die seit den 70er Jahren durch Kreuzungen an den Rand des Aussterbens gebracht worden war, durch Klonierung gerettet werden könne. Ein Kälbchen namens Boeve wurde aus Stammzellen einer reinrassigen Kuh »erzeugt« und kam durch Kaiserschnitt zur Welt, zwanzig weitere sind »in Arbeit«. Wenn dann auch die Fortpflanzungsfähigkeit gesichert, die Krankheitsanfälligkeit verringert werden sollte, können die neuen Herden einen Stolz des Landes bilden. So wie heute die 7000 stumpf dreinschauenden lebensgroßen Terrakottasoldaten des Kaisers Qin Shi Huangdi aus dem 3. Jahrhundert. Irgendwie sehen die auch schon geklont aus.


 
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