»Wir haben es geschafft!« - Holland stellt Versuche an Menschenaffen ein

Und sie bewegt sich doch, die Welt. Wenn auch quälend langsam. Nach elfjährigem Einsatz meldet Janie Reynolds, Gründerin und Leiterin der holländischen Gruppe PACE, im Mai 2002 »We have done it!« Gemeint ist der erste Schritt zu dem ersten Ziel: Die Abschaffung der Experimente mit Menschenaffen in Holland. Am 27. April gab die holländische Regierung bekannt, dass die Versuche für immer eingestellt werden.

Holland war das letzte Land in Europa, in dem noch Schimpansenversuche gemacht wurden, vorwiegend in dem berüchtigten BPRC (Biomedical Primate Research Center) nahe Den Haag. Das BPRC hält noch 112 Schimpansen. Trotz der grundsätzlichen Entscheidung, mit den Experimenten aufzuhören, mag man dort aber doch nicht so einfach klein beigeben und will noch eine Ehrenrunde drehen. Etwa zehn Schimpansen sollen noch drei Jahre lang für Hepatitis C - Forschungen einbehalten werden. PACE und CEECE (Coalition to End Experiments on Chimpanzee in Europe), die sich zusammengeschlossen haben, wollen aber auch diese zehn noch freikämpfen. Sie erklären sich auch nicht mit dem Regierungsplan einverstanden, für die 40, die mit HIV und Hepatitis infiziert wurden, eine »sichere Behausung« zu bauen. Sie wollen menschenaffenwürdige Bedingungen für alle, auch für die künstlich mit Menschenkrankheiten behafteten, und zwar schnell. In Zufluchtsstätten, die so naturähnlich wie irgend möglich eingerichtet werden und die all den Chimps, die »nie die Sonne gesehen, den Regen gefühlt haben und keinen Baum kennen« die Chance bieten, doch noch zu erleben, wie ein Affenleben außerhalb der Hölle sein kann.
PACE und CEECE haben noch viel zu tun und müssen die Augen offen halten, dass nicht doch noch Tiere an irgendwelche Labors oder Zoos verkauft werden. Gleichzeitig streben sie das gesetzliche Verbot von Experimenten an Menschenaffen in ganz Europa an und werden dabei von international renommierten Naturforschern wie Sir David Attenborough, Desmond Morris und Jane Goodall unterstützt. Auch in …sterreich wurde gerade eine Kampagne zum Nationalen Verbot gestartet. In Neuseeland besteht das Verbot bereits seit 1999.

Bemerkenswerterweise stützt sich die Regierungsentscheidung auf ein Gutachten der holländischen Akademie der Wissenschaften, das sogar vorschlägt, solche Einrichtungen durch staatliche Finanzierung zu unterstützen, das BPRC völlig herauszuhalten und statt dessen NGOs (Non Government Organizations), also private Tier- und Artenschutzorganisationen, in das Rehabilitationsprogramm einzubinden.

Bemerkenswert ist auch, dass die Experimente mit Menschenaffen überall in Europa heimlich, still und leise nach und nach eingestellt wurden, in England z.B. 1986. Der holländische Minister begründete den (späten) Entschluss seines Landes, sich der Entwicklung anzuschließen, mit den Aussagen seiner Wissenschaftsakademie: Die Schimpansen hätten sich als ein ungeeignetes Modell für menschliche Krankheiten wie Malaria, Aids u.a. erwiesen, da diese bei ihnen einen ganz anderen Verlauf nähmen. Na, wenigstens hat man es mal ein paar Jahrzehnte lang versucht. Warum hat aber die Einsicht in Holland zwölf Jahre länger gebraucht als in England? Wir vermuten, weil das schöne BPRC nun schon mal da war und ausgelastet werden sollte.

Das BPRC ist immer noch da und beherbergt, wenn die Chimps erst einmal raus sind, immer noch 1 500 andere Affen. Wie lange wird es bis zur nächsten Einsicht dauern? PACE und CEECE und andere werden es nicht geduldig abwarten: Schließung des BPRC heißt die Parole.

Ist der erste Erfolg, der sich nun für die Großen Menschenaffen , die Schimpansen, Bonobos (Zwergschimpansen), Gorillas und Orangs abzeichnet, wirklich nur der Einsicht zuzuschreiben, dass die Versuche mit ihnen nichts bringen? Oder ist es die besonders enge Verwandtschaft mit ihnen, die schließlich doch so etwas wie Unrechtsbewusstsein erzeugt hat? Die Erkenntnisse der Verhaltensforschung wurden immer beunruhigender, und der jüngste Schlag, die Feststellung der Genetiker, dass uns biologisch nur ein einziges Gen vom Bonobo, wenig mehr vom Schimpansen unterscheidet, ließ sich vielleicht nicht mehr folgenlos wegstecken.

Als Charles Darwin sich nach Jahrzehnten 1859 endlich traute, seine Einsichten in die Abstammung des Menschen aus dem Tierreich zu veröffentlichen, löste er bekanntlich einen Sturm der Entrüstung aus. Dass die Affen unsere nahen Verwandten sein sollten, wurde als Beleidigung des Menschenwesens empfunden. Doch als sich der Sturm - langsam, langsam - gelegt hatte, fand der beleidigte Mensch einen Ausweg. Statt den Hochmut nun ein wenig zurückzuschrauben, warf sich die Wissenschaft auf die Ahnen, die ja als eine unvollkommene Vorform zu Übungszwecken genutzt werden konnten. Langsam, langsam, nach über hundert Jahren, scheint die Moral in Bezug auf den Umgang mit Verwandten ein wenig nachzuziehen. Aber zugeben darf man das nicht. Und wenn, dann nur bei den ganz, ganz nahen. Vielleicht dann irgendwann mal (in hundert Jahren?) bei den nächsten Graden... Langsam, langsam.


 
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