Am Tiefpunkt Inhalt: Ein trauriger Jahresrückblick Anhang: Pressemitteilungen zu Tierpatenten und Kosmetik-Tierversuchen Ein trauriger Jahresrückblick Der obligate Jahresrückblick bringt den Gegnern von Tierversuchen überwiegend unerfreuliche Entwicklungen vor Augen. Das Schlaglicht, das durch die BSE - Krise Anfang des Jahres auf unseren Umgang mit Tieren fiel, wurde schnell ausgeblendet. Es sieht fast so aus, als ob die (vorläufige) »Bewältigung« der bedrohlichen Warnzeichen eine Erleichterung bewirkt hätte, die den Mainstream des menschlichen Egoismus noch ungehemmter fließen lässt. Werden wir schlauen Weltbeherrscher nicht letztlich mit allen Problemen fertig? Wir brauchen nur hier und da einige kleine Verbesserungen vorzunehmen und können umso beruhigter auf den alten Wegen weiterfahren. Das ablaufende Jahr zeigt Beispiele, wie die Globalisierung von Wirtschaft und Handel und die Vereinheitlichung Europas selbst partielle Fortschritte zugunsten der Tiere auf nationaler oder regionaler Ebene unter sich begraben. Auch auf dem Feld der Tierversuche wird sichtbar, wie die Tiere den Wechselfällen menschlicher Einrichtungen ausgeliefert sind oder diesen angepaßt werden. Ebenso spiegelt ihr Los gesellschaftliche Erscheinungen wie wachsende Brutalität und Egozentrik. So könnten im Zuge der europäischen Einigung - nach überschlägigen Hochrechnungen von Tierschutzorganisationen - über 50 Millionen Tiere dem neuen Vorhaben der EU zum Opfer fallen, alle bisher nicht getesteten Alt-Chemikalien in ganz Europa standardisierten Prüfmethoden zu unterwerfen. So ist die endgültige Abschaffung von Tierversuchen für Kosmetik, die in Deutschland und einigen anderen Ländern schon fast abgehandelt schien, im Jahr 2001 von der Europäischen Union wieder abgelehnt worden (siehe auch Pressemitteilung vom 28. November 2001 im Anhang).
Weit und breit ist in Europa keine Instanz zu sehen (und anderswo schon gar nicht), die verhindern kann, dass Tiere wie Strickmaschinen oder Heizungsanlagen von privat zum Patent angemeldet werden, wenn man sie in halbwegs origineller Weise genetisch manipuliert. Das EPA leistete sich - als scheinbare Einschränkung - noch den Witz, solche Patente auf Leben »nur« für Nagetiere zuzulassen. Für Murmeltiere, Biber, Kaninchen und die allseits bewährten Ratten und Mäuse. Die Verhöhnung des Lebendigen hätte kaum einen abstruseren Ausdruck finden können. Ganz abgesehen davon, dass diejenigen schon in den Startlöchern stehen, die den Dammbruch im Patentrecht profitbringend auszuweiten trachten - auf landwirtschaftliche »Nutz«tiere, auf solche, die für Organtransplantationen geeignet scheinen, auf alle Tiere. Das EPA hat deutlich signalisiert, dass es ihnen schrittweise entgegenkommen wird. Die moralische Haltung, die es für legitim hält, fühlenden Lebewesen schon vor der Geburt ein Krebsgen einzuschleusen, damit sie gezielt voraussehbar Krankheiten entwickeln, bildet bis zum heutigen Tag den absoluten Kältegrad in der Mensch-Tier-Beziehung. Hier wird die Verstandesgabe des Menschen, die ihm das Eindringen in den Mikrokosmos ermöglicht hat, in schamlosester Weise missbraucht. Tiere künstlich krank zu machen, ist freilich ohnehin die Basis der Tierversuchsforschung und allgegenwärtige Praxis. Die Nutzung der Gentechnik, sich diese Methode noch bequemer zu machen, indem die Tiere gleich krank auf die Welt kommen, stellt sozusagen nur eine logische Fortsetzung innerhalb des Systems dar. Darauf nun auch noch Erfinderpatente zu erteilen, liegt ebenfalls in dieser Logik, wobei die Prinzipien der freien Marktwirtschaft helfend zur Seite stehen. Dass das Europäische Patentamt samt seinem eigenen »Gericht » eine rechtsstaatlich höchst fragwürdige Instanz ist, um über Menschheitsfragen wie den Umgang mit der Tierwelt zu entscheiden, steht auf einem anderen Blatt. Es scheint niemand da zu sein, der dieser Institution mit ihrem erheblichen Potenzial an Einwirkungsmöglichkeit auf den biotechnischen Gebieten Schranken setzen könnte. Und das wiederum demonstriert, welch geringer Stellenwert dem Tierleben zugemessen wird. Ein zunehmend geringer? Erst bei der Patentierung von Leben den Widerstand anzusetzen, bedeutet, das Haus vom Dach aus bauen zu wollen. Gewiss waren die Einsprüche notwendig und berechtigt, (und sie werden auch, wie versichert wird, fortgesetzt.) Gewiss ist der Zynismus der Privatisierung und kommerziellen Nutzung von Krankheitszüchtungen besonders abstoßend. Gewiss ist jede Anstrengung, die Räder an irgendeiner Stelle zum Halten zu bringen, begrüßenswert. Aber wenn es nicht gelingt, die Weichen unseres Umgangs mit den Tieren grundsätzlich anders zu stellen, können wir von einem Rädchen im Getriebe wie dem EPA keine Wunder erwarten. Anhang: Pressemitteilungen zu Tierpatenten und Kosmetik-Tierversuchen
Das Europäische Patentamt (EPA) hat entschieden: das umstrittene Patent auf die genmanipulierte Krebsmaus ist bestätigt. Zwar wird der Patentanspruch auf Nager - also auf genmanipulierte Mäuse, Hasen, Biber oder Murmeltiere - eingeschränkt, doch dies ist nicht mehr als eine kosmetische Korrektur. Dieses Patent, das alle Nagetiere umfasst, denen ein Krebsgen eingeschleust wurde, war das erste Patent, das in Europa je für ein genmanipuliertes Tier vergeben wurde. Dagegen haben 1993 über 200 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Einspruch erhoben. Eine erste Verhandlung war 1995, also vor sechs Jahren, ergebnislos geplatzt. Die Entscheidung ist gegen uns gefallen. Wir planen, den Einspruch weiter zu verfolgen und bis zur letzten Instanz aufrecht zu erhalten. Nach Erhalt der schriftlichen Begründung fällt die entgültige Entscheidung über weitere Rechtsschritte. Gründe: Eine letzte Bemerkung: Wir befürworten den Schutz von erfinderischen Leistungen im Bereich Bio- und Gentechnik. Doch das Patentsystem, geschaffen für unbelebte Materie, ist für Tiere und Pflanzen das falsche Instrument. Es gilt nun, ein alternatives und innovatives Sui-gerneris-System zu erarbeiten, wie z.B. der Vorschlag der Eidgenossischen Ethikkommission für Gentechnik im ausserhumanen Bereich (EKAH, Schweiz) oder das afrikanische Modellgesetz (s. dazu www.blauen-institut.ch). Evangelischer Stadtkirchenverband (Köln), Gesellschaft für ökologische Forschung (München), Bundeszentrale der Tierversuchsgegener Österreichs, No patents on life!, Blauen-Institut, Bundeszentrale der Tierversuchsgegener Österreichs, Keine Patente auf Leben (Schweiz), Bundesverband Menschen für Tierrechte, Greenpeace Deutschland, Kein Patent auf Leben!
des Bundesverbandes der Tierversuchsgegner - Menschen für Tierrechte Kein Ende in Sicht für Tierversuche in der Kosmetik - Tierschützer kritisieren EU-Abstimmung Als »Schlag ins Gesicht« der Bürger Europas bezeichnet der »Bundesverband der Tierversuchsgegner - Menschen für Tierrechte e.V.« die Abstimmung im EU-Ministerrat am vergangenen Montag. Brüssel habe somit die beste Chance für das längst überfällige Ende der Tierversuche in der Kosmetik vertan. Noch im April diesen Jahres hatten sich die Mitglieder des EU-Parlaments mehrheitlich für ein Verbot sowohl von Tierversuchen für Kosmetika als auch für ein Vermarktungsverbot tierversuchsgetesteter Schönheitsprodukte ausgesprochen und damit dem EU-Ministerrat ein klares Signal gegeben. Nur beides zusammen, Tierversuchs- und Vermarktungsverbot, bringe einen wirklichen Fortschritt für den Tierschutz. Dadurch werde auch für die Firmen eine Verlagerung ihrer Tierversuche in Drittländer außerhalb der EU unattraktiv. Nicht nur das EU-Parlament, sondern auch die überwiegende Mehrheit der europäischen Bevölkerung spricht sich für ein generelles Vermarktungsverbot für im Tierversuch getestete Kosmetika aus. Verbraucherschutzministerin Künast setzte sich für die tierfreundliche Alternative ein, wurde aber von anderen Mitgliedern des Rates überstimmt. So lehnt der Rat ein generelles Verbot von Tierversuchen für Kosmetika ab. Zudem soll das Vermarktungsverbot, das nach bisheriger Rechtslage ab dem 01. Juli 2002 wirksam wird, nach Willen des Rates nur gelten, wenn anerkannte tierversuchsfreie Testmethoden vorhanden sind. Diese Voraussetzung ist allerdings schon längst in der EU Gesetz. Da sich jedoch die behördliche Anerkennung solcher Reagenzglastests über Jahre hinzieht, sollten Fristen bewirken, dass diese tierversuchsfreien Verfahren schneller entwickelt werden und zum Einsatz kommen. »Das endgültige Aus der Kosmetik-Tierversuche wird von der EU seit Jahren wieder und wieder hinausgeschoben« so Dr. Corina Gericke, Fachreferentin beim »Bundesverband der Tierversuchsgegner - Menschen für Tierrechte«, »Die Minister haben jetzt die beste Gelegenheit vertan, endlich Schluss zu machen mit der Tierqual für die Eitelkeit. Den Mäusen, Meerschweinchen, Kaninchen und anderen Tieren, die für Lippenstift und Faltencreme leiden und sterben müssen, ist damit wieder nicht geholfen.« Das EU-Parlament muss nun in zweiter Lesung im nächsten Jahr über den Vorschlag des Ministerrates entscheiden. Der »Bundesverband der Tierversuchsgegner - Menschen für Tierrechte e.V.« wird alles daran setzen, dass die Parlamentarier ihrer klaren Linie treu bleiben und wieder im Sinne der Tiere stimmen.
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